Karate Training – Unterschied Deutschland / Japan

Nach nun so einigen Jahren Training in Deutschland und auch einigen Karate Einheiten in Tokyo im Honbu Dojo bin ich nun in einem japanischen Karate Verein angemeldet. Und es stellt ich heraus, dass es eine ganze Reihe Unterschiede im Training gibt.

Das Training im Honbu Dojo Tokyo und den Trianingseinheiten in privat Dojo`s wo sich mehrere Ausländer bzw. häufig Ausländer in Training befinden ist anders als hier im „normalen“ Verein. Das Training im Honbu Dojo wie auch in den Vereinen scheint in gewisser Weise an die vielen „Ausländer“ angepasst zu sein. Es ist vom Aufbau mehr den Gästen angepasst oder wird zumindest in den Einheiten auf die Gäste angepasst.

Hier im Verein bin ich der einzige nicht Japaner im Verein. Alle anderen Mitglieder sind Japaner und sprechen fließend japanisch. Man kann also sagen, es handelt sich um einen typischen japanischen Karate Verein. Somit ist das Training auch nicht auf mich in irgendeiner Weise angepasst.

Im Verein gibt es einen Grundsätzlichen Unterschied zu Deutschland. Das ist die Motivation der Schüler – jeder Schüler versucht immer zu Training zu kommen. Es ist eine Seltenheit, dass Schüler fehlen.

Das ein Schüler mal zu spät kommen ist völlig normal. Es gibt immer wieder Leute die länger arbeiten müssen, oder auch ein Kinder von seinen Eltern erst später zum Training gefahren werden kann.

Alles kein Problem – Hauptsache man ist beim Training!

Das kann auch bedeuten, dass ein Schüler bei einem zwei Stunden Training erst nach einer Stunde kommt. Kein Problem – kurz am Rand knien und warten, dass der Trainer einen Auffordert mit zu machen. Dann kurz Aufwärmen und dann am Training teilnehmen.

Ein zweiter Unterschied ist, es wird nicht im oder nach dem Training gemeckert! Wenn der Trainer im Training der Meinung ist, es werden 200 Zuki am Stück gemacht dann werden diese gemacht. Ohne meckern der Schüler!

Gleiches gilt dafür, wenn das Training mal länger dauert. Das kann auch mal bedeuten, dass ein 2 Stunden Training 2,5 Stunden dauern kann. Grundsätzlich dauert das Training so lange, wie der Trainer meint das es nötig ist. Keiner geht eher oder es wird sich beschwert, dass es länger gedauert hat. Ganz im Gegenteil – es wird sich mehr oder weniger bedankt nach dem Training beim Trainer das er sich so viel Zeit für seine Schüler genommen hat.

Generell besteht das Training in Japan aus wesentlich mehr Wiederholungen von Techniken oder Kombinationen. Im letzten Training von 2,5 Stunden wurden zwei Katas behandelt. Diese dann bis in das letzte Detail und vielen Erklärungen. Aber so kommt es, dass man in einem Training zwei Katas gut und gerne 15-mal läuft. Und es gibt immer noch Punkte, die vom Trainer angesprochen werden, was zu verbessern ist. Völlig normal solch ein Training, was in Deutschland sicher zu Protesten der Schüler führen würde.

Ein weiterer Punkt betrifft den Anfang und das Ende des Trainings. Jeder wird persönlich begrüßt. Und wenn man zu Spät kommt mindestens der Trainer und seine Co-Trainer. Nach dem Training wird sich auch wieder von allen einzeln verabschiedet in der Reihenfolge des Rangs im Dojo. Erst der Trainer, dann die Co-Trainer und dann von jedem einzelnen Schüler. Das kann dann je nach Gruppen Größe auch mal was länger dauern. Und dieses Ritual wird von allen Schülern durchgeführt – egal ob 5 Jahre oder 70 Jahre alt!

Im Ganzen muss man sagen, dass das Training in einem japanischen Karate Verein von viel Respekt und Höflichkeit in allen Bereich geprägt ist. Durch das Training in Düsseldorf nicht unbekannt, hier aber noch ein Wenig ausgeprägter.

In vielen Filmen oder Büchern wird oft von Hartem und blutigem Training gesprochen. Ja – das Training ist härter. Aber das eher durch die vielen Wiederholungen ist das Training wesentlich anspruchsvoller, was die Kondition angeht. Das es jetzt blutiger ist als das Training in Deutschland, kann ich jetzt nicht bestätigen.

Klar kommt es mal beim Kumite zu einer blutigen Lippe oder Ähnlichen Verletzungen. Hier ist aber einfach der Unterschied, dass nicht so ein „Drama“ draus gemacht wird wie in Deutschland. Hier wird mal das Blut abgewischt und weiter trainiert. Sowas passiert halt mal, aber nicht öfters als im Deutschen Kumite Training und auch nicht mit Absicht.

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Trainingseinheiten weniger separiert werden wie in Deutschland. Es gibt nicht „das Kata“ oder „das Kumite“ Training. In jedem Training kommt Kihon, Kata und Kumite vor. Allerdings an verschiedenen Tagen in unterschiedlichen Ausprägungen.

Im Großen und Ganzen denke ich, dass dieses Training in Deutschland machbar ist. Aber nicht mit allen – hier fehlt ein Stück weit diese andere Einstellung zum Training.

 

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